Barranco del Infierno – die Höllenschlucht

Dieser Artikel wurde von Leonie am 6. August auf Noticias7 veröffentlicht.


In wenigen Monaten hat sich die Sachlage um den Barranco del Infierno erheblich geändert. Zu der Zeit als ich den Artikel schrieb, ließ die Gemeinde verlauten, dass noch im Jahr 2013 mit der Wiedereröffnung des hübsch angelegten Wanderweges zu rechnen sei. Doch der Barranco wurde nicht geöffnet. Auch die Schäden an den abgesackten Wegen wurden leider nicht behoben.

Barranco del Infierno - Schäden

Barranco del Infierno – Schäden

Im Herbst und Winter 2012/2014  tobten erhebliche Stürme über die Insel. Dabei wurde der Barranco sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Weitere Wegstücke rutschten und sackten ab, so dass der Wanderweg danach an einigen Stellen richtig gefährlich nah  am Abgrund verlief oder auch vollständig verschwand. Auch Holzgeländer, Brücken und Stege wurden weggerissen und weggespült.

Barranco del Infierno - Schäden

Barranco del Infierno – Schäden

Dennoch kletterten  bis vor einiger Zeit  immer wieder Wanderer durch das Loch im Zaun in den Barranco. Vor wenigen Wochen passierte es dann. Ein Wanderer stürzte ab und verletzte sich lebensgefährlich. Die Gemeinde reagierte sofort. Weitere Wanderer wurden noch am selben Tag aus dem Barranco evakuiert und das Loch im Zaun wurde beseitigt. Nun ist der Barranco del Infierno für Wanderer gesperrt.

Barranco del Infierno - Schäden

Barranco del Infierno – Schäden

Da es sich um eine wirklich hübsche und in großen Teilen immer noch intakte Wanderstrecke handelt, bleibt zu hoffen, dass die Gemeinde Adeje eines Tages das Geld aufbringen wird, um die abgesackte Teilstücke und die Schäden im Barranco beseitigen zu lassen.

wir wandern auf gut abgesicherten Wegen
Barranco del Infierno

Barranco del Infierno

Der im südlichen Teneriffa liegende Barranco del Infierno, die unter Wanderern recht beliebte Höllenschlucht, war mehrere Jahre seit einem Unfall im Jahr 2009 gesperrt. Auf der Barranco eigenen Webseite (barrancodelinfierno.es) ist nachzulesen, dass der Barranco wegen Steinschlaggefahr gesperrt und damit offiziell nicht mehr begehbar sei. Nun soll er jedoch nach neuesten Gerüchten, die sich ja bekanntlich immer sehr schnell über die Insel verbreiten, wieder geöffnet werden. Das Gebiet um den Barranco del Infierno unterliegt dem speziellen Schutz des Naturschutzgebietes Reserva Natural Especial del Barranco del Infierno. Auch wenn die Wege der Wanderroute teilweise abgerutscht waren, ließ die Lust der Wanderer auf das Naturschutzgebiet mit dem größten Wasserfall der Insel nicht nach und täglich waren dort auch in den Zeiten der Sperrung viele Wanderer anzufinden. Ob der Barranco nun in kurzer Zeit tatsächlich wieder öffentlich begehbar ist, lässt sich wahrscheinlich weniger durch die Webseite klären, denn dort ist mit heutigem Stand die Höllenschlucht immer noch geschlossen. Doch ist die Webseite wirklich aktuell? Ich würde daher empfehlen vor einer geplanten Wandertour eine telefonische Anfrage an die Touristeninformation in Adeje (Telefonnummer: 0034 922 716 377) zu richten.

Tourstart in Adeje

Naturschutzgebiet - barranco del Infierno

Naturschutzgebiet – barranco del Infierno

Die Wanderung zum größten Wasserfall der Insel, dem Barranco del Infierno, startet am oberen Ende des Dorfes von Adeje. Dort liegt am oberen Ende der Dorfstraße das Restaurant Otelo, das von seiner Terrasse einen herrlichen Ausblick auf die Schlucht bietet. Unmittelbar neben dem Restaurant startet der Wanderweg. Nach Adeje, das im Südwesten der Insel liegt und etwas über 40.000 Einwohner hat, lässt es sich leicht mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen. Parkplätze sind in der Stadt und auch in den Nachbarstraßen zum Restaurant Otelo in ausreichender Anzahl vorhanden. Als ich das letzte Mal im Winter 2012/2013 vor Ort war, war der Weg durch den Barranco del Infierno offiziell geschlossen. Ich hatte von dieser Wanderung, die zum größten Wasserfall der Insel führt, bereits viel gehört und wollte eigentlich nur vor Ort feststellen, ob ich Hinweise finden könnte, wann der Wanderweg wieder geöffnet werden würde. Da ich wegen einer anderen Wanderstrecke im Süden unterwegs war, fuhr ich kurzerhand mit dem Wagen den kurzen Abstecher nach Adeje, um einen Blick in den Barranco del Infierno zu werfen.

Schlupfloch im Zaun

Schlupfloch im Zaun

Zu meiner Enttäuschung war das kleine hölzerne Kassenhäuschen nicht besetzt und der Eingang mit einem Holzzaun über einer Mauer zugesperrt. Bevor ich mich gerade wieder abwenden wollte, riskierte ich jedoch noch einen Blick über den Zaun und sah zu meiner Überraschung mehrere kleine Gruppen von Menschen, die sich auf dem schmalen Pfad Richtung Wasserfall bergauf bewegten. „Was ist das? Gibt es noch einen anderen Eingang oder war ich etwa gar nicht am richtigen Zugang?“ Während ich noch überlegte, tauchten plötzlich neben mir einige Köpfe auf, die von der anderen Seite über die Mauer und durch den Bretterzaun durch ein Schlupfloch im Zaun hindurch schauten. Kurze Zeit später stand eine fünfköpfige Gruppe japanischer Touristen neben mir, die ganz begeistert von ihrer Tour durch den Barranco del Infierno berichteten. „Der Weg ist so gut begehbar.

Das ist wie Laufen durch einen etwas wilden Parkweg. Gefahren gibt es dort keine“, versicherte mir ein deutsches Ehepaar, das nach weiteren fünf Minuten aus dem Schlupfloch im Zaun hervor kam. Meine Bedenken, dass die Sperrung wegen Steinschlages doch sicher nicht ohne Grund sei, zerstreuten sie mit den Worten, dass es von Adeje viele Möglichkeiten gäbe, in den Barranco zu gelangen und an den anderen Stellen sei doch auch keine Sperre vorhanden. „Gleiches gilt, wenn Sie den Barranco von der Bergseite aus begehen wollen, denn auch dort sind keinerlei Verbotsschilder angebracht“, versicherte mir ein Herr, der sich mit einer achtköpfigen Wandergesellschaft gerade anschickte durch das Schlupfloch im Zaun zu steigen.

vorbei an Aquädukten und Wasserkanälen richtung Wasserfall

vorbei an Aquädukten und Wasserkanälen richtung Wasserfall

Mein Labrador nahm mir dann die Entscheidung ganz spontan ab, indem er der Warterei müde der Gruppe einfach durch das Schlupfloch im Zaun folgte. Da konnte auch ich nicht anders und schloss mich an. Ich habe es nicht bereut. Der Barranco del Infierno ist wirklich sehenswert. Gefahren konnte auch ich auf den gesamten Weg nicht erkennen. Teilweise war der Weg ein ganz klein wenig abgerutscht. Allerdings war er auch an diesen Stellen immer noch breit genug, um ihn mit zwei Personen nebeneinander zu passieren. Tatsächlich war der Vergleich mit dem Spaziergang im Park gar nicht so schlecht. Keiner wird in diesem übersichtlich angelegten Barranco den Pfad verlieren.

Auf gut gesicherten Wegen durch üppige Natur Gleich nach dem Einstieg in den Barranco ist der Weg, der sich zunächst am Berg entlang schlängelt, gut einsehbar. Fast die gesamte Route ist mit Steinmauern oder Holzpollern eingefasst. Dieser Weg ist tatsächlich nicht nur für passionierte Wanderer geeignet, sondern auch für Familien mit kleinen Kindern oder Menschen, die trittsichere Wege bevorzugen. In dieser Gegend sollen vor langer Zeit bereits die Guanchen und später spanische Siedler gelebt haben. Auf der Wanderung treffen wir auf Wasserkanäle und Aquädukte, mit denen das Wasser in der Schlucht kanalisiert und zu den umliegenden Ortschaften geleitet wurde. Als weitere Überreste der menschlichen Aktivitäten finden wir terrassenförmige Gärten an den Steilhängen vor. Heute sind sie etwas verwildert und passen sich der damit umliegenden grünen Vegetation an den Steilhängen der Schlucht bestens an.

am Hang entlang

am Hang entlang

Zwar geht es bis zum Wasserfall ständig über 240 Höhenmeter bergauf. Dennoch sind viele gemäßigte Streckenabschnitte ohne steile Anstiege auf der Tour und bereits nach einer dreiviertel Stunde Wanderung erreichen wir das Bachbett. Dort ist eine erste Rast, aber auch eine kleine Abkühlung für den Wanderer gewährleistet. Der Weg wechselt mehrmals die Bachseite. Die Vegetation wird im Wegverlauf immer üppiger und ab und zu wachsen die Büsche auch wild über den Weg. Ein Pfad für den Wanderer lässt sich jedoch leicht finden. Wir überqueren ab und zu kleine Brücken, die sich mit ihren Holzplanken auf natürliche Weise in die Landschaft einfügen. Der Barranco del Infierno wird enger und umso weiter wir in Richtung Wasserfall kommen, kann es ab und zu auch einmal ein Baumstamm sein, der den Weg versperrt. Schatten ist nach der ersten dreiviertel Stunde des Weges durch die hohen Felswände an den Barrancoseiten reichlich vorhanden. Wer Lust auf ein Picknick oder eine kleine Rast hast, den laden teilweise hübsch angelegte Raststellen, das natürliche Bachbett oder kleine Teiche zu einem Picknick oder einer kleinen Erfrischung ein.

auch ein Baumstamm kann den Weg versperren

auch ein Baumstamm kann den Weg versperren

Wir hören das Rauschen des Wasserfalls und wandern durch schattige Bäume, Büsche umgeben von sehr viel Grün. Die Vegetation erinnert an dieser Stelle teilweise an einen Dschungel und ist eigentlich recht untypisch für den ansonsten kargen Süden der Insel. Brombeerbüsche wachsen in den Weg hinein, die allerdings nur zu bestimmten Jahreszeiten dem Wanderer ihre Früchte geradezu anbieten. <

Der Wasserfall – ein mystischer Ort

Dann nach ca. 1 Stunde und 15 Minuten stehen wir unmittelbar vor dem Wasserfall. Ein dunkler und beeindruckender Ort. Hier ragen die Felsen an drei Seiten steil in den Himmel empor. Ganz weit oben ist ein wenig Licht, das mit seinen wenigen Strahlen, die zu uns nach unten dringen, eine fast mystische Stimmung verbreitet.

hölzerne Stege und üppige Vegetation

hölzerne Stege und üppige Vegetation

Wer mag, kann hier auf den Felsen ein wenig ausruhen oder seine Füße im kühlen Nass abkühlen. Ich genieße die Ruhe, die außer dem Geräusch, das das herabfallende Wasser macht, fast unheimlich ist. Doch so gerne ich hier auch noch weiter geblieben wäre, irgendwann ist es Zeit für den Rückweg, der uns den gleichen Weg wieder nach Adeje in die Zivilisation zurückführt.

Informationen:

Höhenunterschied: 240 Meter von Adeje bis zum Wasserfall

Anforderung Mensch: gering, da zumeist eingefasste und relativ weite Pfade

Startpunkt: Restaurant Otelo am oberen Ortsrand von Adeje

Zeit: reine Wanderzeit ca. 2,5 Stunden

Hinweis: Ob der Weg offiziell begehbar ist, lässt sich unter www.barrancodelinfierno.es oder durch ein Telefonat bei der Touristeninformation in Adeje unter der Telefonnummer 0034 922 716 377 herausfinden.

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