Cueva del Viento


ausgerüstet mit Helmen und Licht können Besucher die Höhle erforschen

Auf den kanarischen Inseln, die vulkanischen Ursprungs sind, gibt es unendlich viele Höhlen. Viele davon sind dem Besucher zugänglich und können besichtigt werden. Im letzten Jahr hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, die größte dieser Höhlen, die Cueva del Viento in der Nähe von Icod de los Vinos auf Teneriffa zu besuchen.  Diese Höhle unterscheidet sich bereits bei der Anmeldung von anderen Höhlen. Im Gegensatz zu den von vielen Touristen frequentierten Plätzen, gibt es an der Cueva del Viento weder Warteschlangen noch ein Kassenhäuschen. Dafür ist es allerdings notwendig, dass sich der Besucher rechtzeitig für eine Besichtigung anmeldet. Einfach und praktisch gelingt das über eine Reservierung per Internet.

Ich hielt unsere „Reservierungsbestätigung“ stolz in der Hand, als meine Freundin und ich mit dem Wagen im oberen Teil von Icod nach der auf einer braunen Anzeigetafel ausgeschilderten Höhle suchten.  Nachdem wir ein wenig in den engen und steilen Straßen umher gefahren waren, kamen wir auf dem Parkplatz des Besucherzentrums an.  Wir sahen nur ein kleines Gebäude, das an eine Art Museum erinnert. Wo war die Höhle? Ratlos schauten wir uns an. „Dann werden wir wohl mal in dem Haus nachfragen“, schlug ich vor. Die nette Dame, die unser Ticket sehen wollte, klärte uns schnell auf. „Dies ist unser Informations- und Besucherzentrum. Da wird ihnen zunächst ein Mitarbeiter, der selber zu den „Höhlenforschern“ gehört, etwas über die Höhle berichten. Und dann, wenn Sie ein wenig schlauer sind, geht es in die Unterwelt“, meinte sie lachend.

Wir schauten uns die Informationen über die Höhle anhand der vielen Exponate und Erklärungstafeln an. Hier erfuhren wir bereits sehr interessante Grundlagen über Vulkane, Gesteinsformationen und die Erdgeschichte. Der unterirdische Komplex der Cueva del Viento liegt im gleichnamigen Ortsteil von Icod de los Vinos. Die Höhle gehört nach einigen Höhlen auf Hawaii zu den längsten Lavahöhlen der Welt und gilt als längste Lavaröhre des afrikanischen Kontinents und der Europäischen Union. Das Höhlensystem hat bislang eine den forschenden Wissenschaftlern bekannte Länge von ca. 17 Kilometer und befindet sich auf drei Ebenen. „Das scheint ja eine wahre Höhle der Superlative zu sein“, meinte meine Freundin mit einem Augenzwinkern. Wir lasen und informierten uns weiter. Die ältesten Höhlenteile sind vor ca. 27.000 Jahren durch Lavaströme beim ersten Ausbruch des sog. alten Teide (Pico Viejo) entstanden, der heute noch am Fuß des Teide zu finden ist. In der Höhle sollen 190 Tierarten leben, von denen 15 Spezies zum ersten Mal dort entdeckt wurden. Neben den verschiedenen Tierarten gibt es für die Forscher auch reichhaltige Funde an Fossilien. So soll es laut Informationstafel im Inneren der Höhle eine hohe Anzahl von Fossilienresten ausgestorbener Wirbeltiere, wie der Riesenratte und der Riesenechse geben. Das hörte sich ja spannend an. Eine Riesenratte hatte ich noch nie gesehen und war mir in dem Moment auch nicht so sicher, ob ich die wirklich sehen wollte.

Aber auch andere Knochenreste von ausgestorbenen Tierarten, die es weder auf Teneriffa noch auf den anderen kanarischen Inseln mehr gibt, haben die Wissenschaftler in den Höhlengängen gefunden. So las ich auf der Informationstafel auch etwas über die „Graja“, eine Krähenart, die es auf der Insel nicht mehr gibt, aber deren „Überreste“ noch in der Cueva del Viento zu finden sind. Nach dieser umfassenden Eingangslektüre waren wir erst einmal fast ein wenig erschlagen über so viel Information. Daher freuten wir uns, dass mittlerweile anscheinend die restlichen 12 Personen, die zu unserer Tour gehörten, eingetroffen waren. Und auch unser persönlicher wissenschaftlicher Höhlenführer stand nun vor uns und begrüßte uns alle außerordentlich freundlich. Er erklärte uns, dass die Höhle nur zu bestimmten Zeiten und auf Anmeldung zu besichtigen sei, da sich die Wissenschaftler das Ziel gesetzt hätten, die Höhle zu schützen und im ursprünglichen Zustand zu belassen.

Aus diesem Grunde könnten und wollten die Organisatoren zurzeit nicht mehr Besucherandrang in der Höhle und würden sich auch in Zukunft auf die jetzige reduzierte Anzahl an Besuchern beschränken. „Uns geht der Schutz der Höhle vor den sicherlich auch dringend benötigten Einnahmen durch die Eintrittsgelder“, erklärte er in einem Ton, der über die Ernsthaftigkeit der Erklärung keinen Zweifel ließ.

Camino Real

Camino Real

Dann führte er uns im Besucherzentrum herum und erklärte sehr einfach und anschaulich die komplexe Materie. Langsam  hatten wir als Besucher das Gefühl, noch bevor wir die Höhle betreten konnten, wahre Höhlenexperten zu sein. Jeder von uns kannte bereits die unterschiedlichen  Lava Arten. Und natürlich wussten wir mittlerweile alle, dass diese Röhre mit 17 Kilometer Länge, die viertlängste der Welt ist und ein wahrhaft netzartiges Labyrinth unterirdischer Gänge mit zahllosen unerforschten Verzweigungen bietet. Interessant auch zu wissen, dass die Forscher immer noch weiter graben und noch kein Ende der Höhle abzusehen ist. So dürfen wir alle gespannt sein,  auf welche Länge die Höhle in der Zukunft noch anwachsen wird und was die Forscher im Inneren dort entdecken werden.
Doch langsam wurde ich etwas ungeduldig. „Wir wissen nun bereits so viel. Wann geht es denn endlich in die Höhle?“ flüsterte ich meiner Freundin zu. Ich musste mich noch ein wenig gedulden, denn zunächst wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt und in zwei Fahrzeuge verfrachtet. „Ja, die Höhle liegt noch ein wenig höher. Dahin müssen wir erst einmal fahren“, ließ uns unser Höhlenführer wissen. So fuhren wir mit den Wagen vom Besucherzentrum noch ein wenig höher durch die Straßen von Icod de los Vinos und parkten schließlich in der Nähe des Höhleneingangs. Doch auch nachdem wir die Wagen verlassen hatten, war von einer Höhle oder einem Eingang zu derselben immer noch nichts zu sehen. „Ja, jetzt geht es ein wenig ans Wandern“, ließ unser Höhlenführer verlauten. Der dezent bergauf verlaufende Fußweg führte uns durch ein landwirtschaftliches Anbaugebiet, ein Lavafeld und einen Kiefernwald. Dann standen wir plötzlich auf einem sog. camino real (Königsweg). Ein camino real ist eine ehemalige Handelsstraße, die zumeist mit großen Feldsteinen „gepflastert“ ist.

Vorbereitung auf die Höhlenwanderung

Vorbereitung auf die Höhlenwanderung

„Nun ist es nicht mehr weit“, ließ unser Höhlenführer frohgemut verlauten und unsere kleine Gruppe  lief gemeinsam über den holprigen Königsweg, bog um eine Ecke und stand auf einer Art kleiner Wiese. Gespannt suchten wir die Umgebung nach dem Höhleneingang ab. Doch der war immer noch nicht zu sehen. „Zunächst müssen wir uns richtig ausrüsten“, sagte unser Höhlenführer. Er verteilte rosa Kappen, die wir unter Gelächter aufsetzten. Dann bekam jeder einen Helm mit Lampe und der Höhlenführer kontrollierte, ob auch jeder Helm richtig saß. Nun war das Gelächter verstummt. „Ist das da unten gefährlich?“ fragte eine ältere Dame vorsichtig. „Nein“, lachte unser Führer, „jetzt wo sie alle die rosa Lappen, die Helme und Lampen haben, kann nichts mehr passieren. Und wenn Sie sich bitte noch genau an meine Anweisungen halten, stehen Ihre Chancen gut, dass Sie hier auch wieder heil heraus kommen“. Wir merkten nicht nur an seinen mit Humor durchsetzten engagierten Ausführungen, dass der uns  begleitende Höhlenforscher nicht nur seinem Routinejob nachging, sondern mit Leib und Seele ein begeisterter Höhlenforscher und -führer war.

Der Höhleneingang

Der Höhleneingang

Dann war es endlich soweit. Unser persönlicher Höhlenführer hob eine große schwere Klappe aus Eisengittern, die im Boden eingelassen mit schweren Steinen umgeben war, hoch. Das war der Höhleneingang – der Eintritt in die Unterwelt.

Unser Höhlenführer half uns nach und nach durch diese Klappe in das Innere der Höhle hinunter zu steigen. Zur Besichtigung frei gegeben ist nur ein kleiner Teil der Höhle. Doch wenn man nur mit Taschenlampenlicht in dunklen Gängen wandelt, können auch 180 m bereits recht lang sein. Die Höhle ist im Inneren nicht für Besucher mit Licht präpariert oder mit Betongängen versehen. Alles ist im ursprünglichen Zustand belassen. „Das gehört hier zu unserem Konzept“, erläuterte unser Höhlenführer. Zunächst standen wir unten in der Höhle und mussten uns erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen.

Cueva del Viento

Cueva del Viento

Nun wurden die theoretischen Erläuterungen, die wir vorher den Informationstafeln des Besucherzentrums gelesen hatten, auf einmal plastisch.
„Der Besuch der Cueva del Viento (Höhle des Windes) erläutert die Rolle der Lavaströme in der Vulkanologie und erlaubt einen Blick auf die eigenwilligen Lavaformationen im Erdinneren. Diese Höhle ist ein Beispiel geologischer Komplexität. Auf über 17 Kilometern Länge befinden sich Gänge auf drei verschiedenen Ebenen und herrliche geomorphologische Phänomene wie Abgründe, Terrassen und andere Lavaformationen.

Nun standen wir davor und konnten selber einige der Tiere im Lichtkegel unserer Lampen bestaunen. Wir folgten unseren Höhlenführer einen langen Gang hinunter, von dem aus wir die unterschiedlichen Lavaformationen bestaunen konnten. Er ließ uns auch einen Blick in die sogenannte nächste Etage der Höhle werfen. Denn die Besonderheit der Cueva del Viento liegt nicht nur in ihren Ausmaßen, sondern auch in ihren einzigartigen geomorphologischen Merkmalen. Die Höhlenröhren sind auf drei übereinanderliegenden Ebenen angeordnet. Unser Höhlenführer erklärte, dass dieses Phänomen einzigartig und bislang nur an dieser Stelle auf der Welt zu finden wäre. Der Name der Cueva del Viento sei auf die Luftströmungen in ihrem Inneren zurückzuführen.

Spinnen im Scheinwerferkegel unserer Helmlampen

Spinnen im Scheinwerferkegel unserer Helmlampen

Zu Beginn unserer Führung hatten wir alle Schwierigkeiten auf dem Boden, der aus recht spitzen Lavasteinen bestand, zu gehen. Auch an die Dunkelheit und an die äußerst niedrige Gänge musste ich mich erst einmal gewöhnen. Gut, dass ein Helm auf dem Kopf uns vor den an den Seiten doch recht niedrigen Felsen, gegen die ich mehrmals stieß, schützte. Die geschützten “Kleinlebewesen” bekamen wir allerdings nicht zu sehen. Sie sind hinter einer verschlossenen Tür in einem Bereich untergebracht, der den Besuchern nicht zugänglich ist.

Die Gruppe lauschte mit Interesse den informativen Ausführungen unseres Höhlenführers. Wir hatten zwischenzeitlich bereits zwei Ebenen der Lavaröhren begangen. In das dritte “Stockwerk” konnten wir von oben hineinsehen. „Weiter unten soll es noch eine weitere Ebene geben, die erst kartographiert werden muss“, erläuterte unser Höhlenführer. Ich schaute gebannt auf die vielen verschiedenartigen Lava Stalaktiten, die wasserfallartigen Lavaformationen und die seitlich  angeordnete Terrassen.

Warnung vor einbrechenden Erdschichten

Warnung vor einbrechenden Erdschichten

Nun erfuhren wir, dass über den Höhlen die Gesteinsschichten teilweise so dünn seien, dass man sie nicht betreten könne, ohne einzubrechen. Sofort schaute jeder Einzelne aus unserer Gruppe vorsichtig nach unten. Noch war zum Glück keiner eingebrochen. Doch unser Höhlenführer erzählte uns nun eine Geschichte. „Durch die dünnen Schichten kam es zu einem Einbruch, so dass auf diese Art die Höhle überhaupt erst entdeckt wurde“, erzählte er. Vor vielen Jahren sei an einer Stelle, die wir gerade besichtigten und an der weit oben  Tageslicht durch die mit Eisengittern abgesicherten Felsspalten drang, eine alte Frau eingebrochen. Sie habe auf der Wiese Ziegen gehütet, als sie plötzlich 16 Meter in die Tiefe gestürzt sei. Auf wunderbare Weise habe sie diesen Sturz  überlebt. Das war der Beginn der Entdeckung der Cueva del Viento. Seitdem arbeiten  Wissenschaftler daran, die vielen Ebenen und Gänge zu erforschen.

Für Besucher sind zurzeit nur die gesicherten 180 Meter der Höhle zugänglich. Mit den Eintrittsgeldern wird weiter geforscht und in naher Zukunft soll es so möglich werden,  weitere Bereiche der Höhle für Besucher zugänglich zu machen.

Kurzzeitig sehen wir ein wenig Licht, bevor es auf dem gleichen Weg durch die Dunkelheit zurück geht.
Um die Dunkelheit voll auszukosten, schalten wir alle unsere Lampen für einige Minuten ab. Es ist absolut still und ich nehme die Hand Richtung Augen.

Einbruchstelle - hier wurde die Höhle entdeckt

Einbruchstelle – hier wurde die Höhle entdeckt

Tatsächlich ist es so dunkel, dass ich nicht einmal die Hand vor den Augen erkennen kann. Das blanke Nichts. Unser Höhlenführer forderte uns auf, uns nun ganz langsam und vorsichtig an die Wand heran zu tasten. Das taten wir und wunderten uns wie lange wir für den halben Meter benötigten. „Prima“, tönte seine Stimme aus der Dunkelheit. „Nun fassen wir alle unseren Vordermann an der Schulter und dann werden wir langsam versuchen, unseren Weg aus der Höhle heraus zu finden“. Das war eine eindrucksvolle Demonstration von Dunkelheit und vorsichtig taten wir alle, was er uns gesagt hatte. Wir bauten uns in der Dunkelheit hintereinander an der Wand auf. „Auf mein Kommando los, geht ihr alle ganz vorsichtig los“, hörte ich aus der Dunkelheit. Jeder krallte sich fest an seinen Vordermann, denn keiner wollte in der Dunkelheit verloren gehen. Wir setzten uns tastend einen Schritt in Bewegung.

Doch plötzlich ging Licht an und unser Höhlenführer lachte. Nur ein kleiner Scherz zum Schluss. Zu unserer Erleichterung durften wir die Höhle dann doch mit unserem eingeschalteten Helmlicht verlassen.

Die Höhle liegt im Ortsteil Viento in Icod de los Vinos. Eine Besichtigung der Cueva del Viento, deren Besucherzentrum gut ausgeschildert ist, ist nur nach Voranmeldung möglich. Nach einer Führung durch das Besucherzentrum werden Gästen mit Fahrzeugen zur Höhle gefahren.

Mehr Informationen, auch zu den Öffnungszeiten und Preisen auf der Homepage http://www.cuevadelviento.net.

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